Anteil der von Armut bedrohten Personen in der EU zurück auf Vor-Krisen-Niveau

13.12.2017

Laut des aktuellen Armutsberichtes des Statistischen Amts der Europäischen Union, kurz Eurostat, waren im Jahr 2014 etwa 119 Millionen Personen bzw. 23,7% der Bevölkerung in der Europäischen Union (EU) von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Die Daten basieren auf der EU-Statistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC). Die EU-SILC Erhebung wird in 34 Ländern durchgeführt. Jährlich werden im Rahmen dieser Befragung in Europa mehr als 200.000 Haushalte und 500.000 Bürgerinnen und Bürger interviewt. Die so erhobenen Daten werden Eurostat zur Verfügung gestellt.

Ein Individuum gilt als armutsgefährdet, wenn mindestens eine der folgenden drei Szenarien auf sie zutrifft:


• Personen mit einem verfügbaren Einkommen von 60 % oder weniger des Medians des Nettoäquivalenzeinkommens des jeweiligen Landes. In der EU wird seit 2001 der Median des Nettoäquivalenzeinkommens zur Definition der relativen Armutsgrenze verwendet.

Für mehr Infos: http://bit.ly/2kXW7Qm


• Die materieller Deprivation der Individuen ist aufgrund der geringen Ressourcen so ausgeprägt, dass sie sich vier der folgenden neun Güter nicht leisten können:
1) Miete, 2) Heizkosten, 3) unerwartete Ausgaben 4) Fisch, Fleisch oder ein anderes proteinhaltiges Lebensmittel an jedem zweiten Tag, 5) ein einwöchiger Urlaub, 6) ein Auto, 7) eine Waschmaschine, 8) ein Farbfernseher, oder 9) ein Festnetz- oder Mobiltelefon


• Die Erwerbstätigkeit ist sehr niedrig. Dies bezieht sich auf Personen im Alter von 0-59 Jahren, die in einem Haushalt leben, in dem die Erwachsenen (18-59 Jahre) im Durchschnitt weniger als 20% des gesamten möglichen Arbeitsstunden des vergangenen Jahres gearbeitet haben (Studenten ausgenommen).

Nachdem der Anteil der Personen in der EU, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind, zwischen den Jahren 2009 und 2012 dreimal in Folge gestiegen war und fast 25% erreicht hatte, ist er seither stetig gesunken und auf ca. 24%, das Niveau von 2008, also vor der globalen Finanzkrise, zurückgekehrt. Dennoch lag er im Jahr 2015 weiterhin über seinem Tiefstand von 2009 (23,3%). Die Verringerung der Anzahl der Personen in der EU, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind, ist eines der Kernziele der Strategie Europa 2020.

Für Deutschland wurden folgende Daten ermittelt: im Jahr 2014 waren 16,7% der Bevölkerung nach Zahlung der Sozialleistungen armutsgefährdet. Im europaweiten Vergleich war in Rumänien jeder Vierte (25,4%) und in Lettland (22,5%), Litauen (22,2%), Spanien (22,1%), Bulgarien (22,1%), Estland (21,6%), Griechenland (21,4%), Italien (19,9%) und Portugal (19,5%) etwa jeder Fünfte armutsgefährdet.


5% der Bundesbürgerinnen und Bürger litten gemäß des Berichts unter erheblicher materieller Deprivation. EU-weit liegt der Anteil dieser Personen 2014 bei 8,9%, ein leichter Anstieg gegenüber 2008 (8,5%). Mit Hinblick auf den Indikator zur niedrigen Erwerbstätigkeit liegt Deutschland mit 10% der Bevölkerung unter 60 Jahren nur knapp unter dem europaweit ermittelten Wert von 10,5%.

Für mehr Infos können Sie hier die Pressemittelung von Eurostat zum Armutsbericht nachlesen: http://bit.ly/2jOMGiE