Eine Studie sorgt für Aufsehen

04.06.2018

Einen enormen Wirbel erzeugte eine im „The Lancet“ veröffentlichte Studie, die sich mit dem Einfluss von Alkoholkonsum auf das Sterberisiko beschäftigt. Es wurden 83 Studien aus 19 Industriestaaten ausgewertet, die Menge des Alkohol-konsums sowie der Tabakkonsum, Diabetes etc., die mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Zusammenhang stehen, wurden erfasst. Den Studienergebnissen folgend ist der kritische Wert 100 g Alkohol pro Woche. Ein höherer Konsum erhöht das Risiko früher zu sterben. Die Autoren der Studie regen an, die empfohlenen Mengen für einen regelmäßigen Alkoholkonsum, die es ja in vielen Ländern gibt, zu überprüfen. Diese Werte divergieren bekanntlich international erheblich: die maximal tolerierbare Menge liegt deutlich über 100 g. In den USA gelten momentan 196 g für Männer, 98 g für Frauen als Richtwert. In Kanada, Italien, Portugal und Spanien liegen die Werte ebenfalls höher. In Deutschland gelten nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung 140 g für Männer und 70 g für Frauen als tolerierbar. Zu all diesen Werten gibt es sicherlich Studien, auf die sich die Empfehlungen der Gesundheitsbehörden der verschiedenen Länder berufen.

Unstrittig ist, dass zu viel Alkoholkonsum (Wein, Bier oder Schnaps) das Risiko für viele schwere Erkrankungen erhöht, aber die Diskussion zeigt auch, dass fachbezo-gene statistische Auswertungen interpretationsgebunden sind. So ist es z.B. schwie-rig, wenn lediglich ein Faktor (Alkoholmenge) in der Ernährung aus diversen Untersu-chungen herausgefiltert wird. Man weiß immer noch nicht wie sich die Lebenserwar-tung verändert bei jemanden der Gesund isst, regelmäßige Bewegung hat, nicht raucht und täglich Wein trinkt. Welchen Einfluss hat es, ob der Wein zum Essen oder außerhalb der Mahlzeit getrunken wird? Welchen Einfluss hat die Ernährung generell, z.B. die vielgepriesene mediterrane Ernährung für jemanden, der regelmäßig Wein trinkt? „Alltagstauglich“ ist also solch eine „Einfaktor“-Auswertung eher nicht und Sie als Weintrinker sollten sich ruhig mal an Ihren Arzt wenden, wenn Sie Fragen haben. Wir möchten Ihnen einen Kommentar von Winfried Simon nicht vorenthalten, er ist im Volksfreund, einer Tageszeitung aus Rheinland-Pfalz am 20. April 2018 erschienen.

Hier der Wortlaut: Auf ein langes Leben! Ich habe gestern Abend zwei Gläser Wein getrunken - und damit mein Leben um 30 Minuten verkürzt. Sie wundern sich? Nein, so steht es ganz fett Schwarz auf Weiß in der Bild-Zeitung. Und auch die ach so seriöse Tagesschau weiß: „Der Konsum von mehr als fünfeinhalb Gläsern Wein pro Woche (!) er-höht das Risiko, früher zu sterben. Bild und Tagesschau berufen sich auf eine Studie, erschienen im britischen medizinischen Fachblatt „The Lancet“.

Ein ehemaliger Schulkamerad, promovierter Biologe, schrieb mich wegen des enormen Medienechos an - mit dem Hinweis, dass Medien nicht alles ungefragt übernehmen sollten, sondern einen genaue-ren Blick auf manche Studien werfen sollten. Sein Fazit: Gerade im unteren Konsumbereich sei die Studie wenig aussagekräftig. Und ob der Alkoholkonsum oder die damit verbundene Lebensweise ursächlich sei, könne die Studie nicht nachweisen. Schließlich der Hinweis: In der Studie sei ersicht-lich, dass das Risiko eines früheren Ablebens bei Weintrinkern nur leicht erhöht ist, bei Bier- und Schnapstrinkern dagegen deutlich.

So ist es also mal wieder eine Frage der Interpretation, wenn es um Mengenangeben geht. Sicher ist, dass niemand die Folgen eines übermäßigen Weinkonsums bestreitet und das Ringen um die g Menge erscheint angesichts der Bandbreite der „Empfehlungen“ doch eher schwierig.

Liegt im Wein der Schlüssel für ein langes Leben?
Die 90+ Studie, ein laufendes Projekt der Universität von Kalifornien am Irvine Institut für Gedächtnis- und neurologische Störungen (UCI MIND), untersucht diverse Lebensgewohnheiten bei über 90-jähriger um festzustellen, wie sie die Langlebigkeit beeinflussen. Seit Beginn der Studie 2003 haben sich mehr als 1.600 Teilnehmer freiwillig zweimal pro Jahr einer untersuchen lassen inklusive neuro-logischer, neuropsychologischer, kognitiver und psychischer Tests, und geben Auskunft über Lebens-stil, Ernährung und Krankengeschichte.
 
Im Februar stellte Dr. Claudia Kawas, die Koautorin, der Studie die Ergebnisse Ihres Teams vor. Sie gab bekannt, dass der Verzehr von 2 Gläsern Wein oder Bier pro Tag mit einem um 18 % geringe-ren Risiko eines vorzeitigen Todes gegenüber Abstinenzlern verbunden war. Die Forschung des Teams zeigte auch, dass regelmäßiges Training, Soziales und kognitives Engagement und moderater Kaffeekonsum auch zu einer längeren Lebensdauer führen kann.
 
Da die Studie noch nicht abgeschlossen ist, wie stark diese Lebensstilfaktoren die Lebenserwartung beeinflussen, könnten sich im Laufe der Zeit noch geringfügig ändern, Aber die Wesentliche Aussage bleibt: „Menschen, die mäßig viel Alkohol oder Kaffee getrunken haben leben länger als Abstinenzler.“