Energiewende

Warum ich skeptisch bleibe

Der überraschende Beschluss der Bundesregierung im Frühjahr 2011, nach der Naturkatastrophe und den folgenden Nuklearunfällen in Fukushima acht vollfunktionsfähige und sichere, ältere Kernkraftwerke in Deutschland sofort stillzulegen und bis 2022 vollständig aus der Kernenergie auszusteigen, hat in Europa viele Fragen aufgeworfen und Zweifel an der Seriosität der deutschen Energiepolitik im Herzen Europas gesät.

Kernenergie wird weltweit weiter genutzt

Dass vor allem lasche Aufsicht, Korruption und menschliches Versagen in Japan der Grund für das Ausmaß der Unfallschäden waren, kommt immer deutlicher zum Vorschein. Der Bau im Erdbebengebiet, zu niedrige Schutzmauern, keine sicheren und mehrfach wirksamen Notfalleinrichtungen, miserables Management und praktisches Versagen in einem der technologisch führenden Industriestaaten der Erde haben zu verheerenden Folgen geführt.

Außer Japan selbst und eben Deutschland hat nach den Unfällen kein anderes Land den Ausstieg vollzogen oder fest beschlossen. Im Gegenteil: Weltweit werden nach wie vor über 400 Kernkraftwerke betrieben, weitere 60 sind in Bau bzw. in der Planung, beispielsweise in Frankreich, Finnland, Großbritannien, Tschechien, den USA und vor allem in China.

Probleme durch Widerstände der Betroffenen

Was wie kluge Politik aussah, hat sich als großes Problem erwiesen. Alternative Energien sind teuer, es fehlen Leitungen, die "Solarsubventionen" in Deutschland nähern sich der 100-Milliarden-Euro-Grenze an. Bezahlen müssen dies der Verbraucher und die Industrie. Ob Deutschland die Energiewende auch mit größten Anstrengungen schaffen kann, ist nicht entschieden. Ich bin skeptisch, nicht zuletzt wegen der Widerstände von Betroffenen gegen neue Leitungen und neue (Kohle)-Kraftwerke mit höherem Wirkungsgrad. Während in den USA die Energiekosten sinken werden (neue Erdöl- und Gasvorkommen, Förderung von Biodiesel und Bioethanol auf landwirtschaftlichen Flächen), steigen Preise und Abhängigkeit von Importen in Deutschland weiter an.

Nach Dänemark hat der Industriestandort Deutschland längst die zweithöchsten Energiepreise. Wie lange die Bevölkerung das widerspruchslos hinnehmen wird, ist offen. Ich jedenfalls bin ziemlich sicher, dass Deutschland trotz aller technologischer Führerschaft die ehrgeizigen Ziele kaum erreichen kann und die Bürger irgendwann Rechenschaft von Rot-Grün, aber auch von Schwarz-Gelb verlangen werden. Moderate Korrekturen werden unabdingbar sein, etwa im Hinblick auf die Restlaufzeit der noch verbleibenden Kernkraftwerke. Gewählt wird, wer dazu den Mut aufbringt!